#1

Kinder

in Sinn- und Schatzkiste 19.11.2010 07:57
von Gudelong • 743 Beiträge

Angeregt durch das Posting von Harald unter "Sprüche" gibt es jetzt eine eigene Gruppe mit Sprüchen, Texten, Gedichten... über Kinder, die uns oft zur Verzweiflung bringen, aber ohne die wir im Leben erst recht verzweifeln müssten.


Wir könnten Menschen sein -
einst waren wir schon Kinder.
Wir sahen Schmetterlinge,
wir standen unter dem
silbernen Wasserfall.
Wir sahen den huschenden Glanz
im Innern der Muschel.
Wir sahen alles.
Wir hielten die Muschel ans Ohr;
wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit!

Max Frisch

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#2

RE: Kinder

in Sinn- und Schatzkiste 19.11.2010 08:27
von martin_r • 522 Beiträge

Meist sitze ich mit dem Cello ja nahe der Osterkerze in deren Schale unten feiner Sand gefüllt ist. Manchmal fangen dann die Kinder an damit zu spielen und dann kommt mir das Gedicht in den Sinn:

Das Schönste für Kinder ist Sand.
Ihn gibt es immer reichlich,
er rinnt unvergleichlich
zärtlich durch die Hand.

Weil man seine Nase behält
wenn man auf ihn fällt
ist er weich, so weich.

Kinderfinger fühlen
wenn sie in ihm wühlen
nichts und das Himmelreich.

Günter Grass


Martin R.

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#3

RE: Kinder

in Sinn- und Schatzkiste 19.11.2010 11:43
von Gudelong • 743 Beiträge

Kinder - sind wir wirklich ihre Erziehungsberechtigten? Oder sollten nicht lieber sie uns um-erziehen?

Durch die Blume

Ein Mensch pflegt seines Zimmers Zierde,
Ein Rosenstöckchen, mit Begierde.
Gießts täglich, ohne zu ermatten,
Stellts bald ins Licht, bald in den Schatten.
Erfrischt ihm unentwegt die Erde,
Vermischt mit nassem Obst der Pferde.
Beschneidet sorgsam jeden Trieb -
Doch schon ist hin, was ihm so lieb.
Leicht ist hier die Moral zu fassen:
Man muss die Dinge wachsen lassen.

Eugen Roth


zuletzt bearbeitet 21.11.2010 20:39 | nach oben springen

#4

RE: Kinder

in Sinn- und Schatzkiste 18.12.2010 11:57
von Gudelong • 743 Beiträge

Begegne dem göttlichen Kind in dir

Begegne
dem göttlichen Kind in dir
jener Hoffnungskraft
die sich in dir entfaltet
im Staunen
über all deine Wachstumsprozesse
die seit deiner Geburt möglich geworden sind

Begegne
dem göttlichen Kind in dir
jener Vertrauenskraft
die in dir mehr Raum möchte
um dem eigenen Schreien
und dem Schrein nach Sinn
auf dieser Welt
nicht auszuweichen

Begegne
dem göttlichen Kind in dir
jener Liebeskraft
die dich in Schwingung bringt
damit du auch spielerisch
an einer zärtlichen Welt
mitgestalten kannst

Pierre Stutz

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#5

RE: Kinder

in Sinn- und Schatzkiste 04.02.2011 20:31
von Gudelong • 743 Beiträge

Man kann ohne Liebe Holz spalten
und Ziegel formen.
Aber ohne Liebe sollte man nicht mit Kindern umgehen.

Leo Tolstoi

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#6

RE: Kinder

in Sinn- und Schatzkiste 25.02.2012 11:01
von Gudelong • 743 Beiträge

Weint über euch und eure Kinder

zu Lk 23,28

Ihr Frauen von Jerusalem
weint nicht über mich
weint über euch und eure Kinder!

Weint über eure ungenutzten Fähigkeiten
weint über eure Kinder
die in die alten Rollen hineinwachsen

Weint über eure vergeudete Zeit
weint über eure Kinder
die lernen Zeit totzuschlagen

Weint über eure versäumte Verantwortung
weint über eure Kinder
die eine zerstörte Welt erben

Weint über euer demütiges Schweigen
weint über eure Kinder
die Sprechblasen produzieren wie Comics

Weint über eure hintangestellten Wünsche
weint über eure Kinder
die euch nur funktionieren sehen

Weint über eure verratene Schwesterlichkeit
weint über eure Kinder
die Konkurrenz und Missgunst ernten

Weint über euren totgeschwiegenen Glauben
weint über eure Kinder
die sich darin nicht wiederfinden

Ihr Frauen von Jerusalem
weint nicht über mich
weint über euch und eure Kinder!

Christel Voß-Goldstein

(in: Christel Voß-Goldstein (Hg.), Abel, wo ist deine Schwester? Frauenfragen. Frauengebete, Düsseldorf 1987, Patmos Verlag)


zuletzt bearbeitet 25.02.2012 11:08 | nach oben springen

#7

RE: Kinder

in Sinn- und Schatzkiste 26.02.2012 19:03
von martin_r • 522 Beiträge

Rilke, das Stundenbuch, ein Lobpreis der Armut...

Des Armen Haus ist wie des Kindes Hand.
Sie nimmt nicht, was Erwachsene verlangen;
nur einen Käfer mit verzierten Zangen,
den runden Stein, der durch den Bach gegangen,
den Sand, der rann, und Muscheln, welche klangen;
sie ist wie eine Waage aufgehangen
und sagt das allerleiseste Empfangen
langschwankend an mit ihrer Schalen Stand.

Des Armen Haus ist wie des Kindes Hand.


Martin R.

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