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  • APG2010Datum01.11.2011 07:12
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema APG2010

    Lieber Anselm, Dein Vorschlag in Ehren, aber wenn ich konkret und wahr sein möchte, muss ich die Dinge beim Namen nennen. "Geweihter Mensch" wäre hier oft Schönfärberei. Und es geht ja mir darum, dass den Pfarrgemeinden bei den Besetzungen, wie auch immer es sein mag, reiner Wein eingeschenkt werden muss. Mit der Bitte um Verständnis.

  • APG2010Datum25.10.2011 12:39
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema APG2010

    Lieber Niki,
    ich habe Deinen Artikel in thema_kirche gelesen, „Bauanleitung am Weg“.
    Darin gibst Du selbst zu, dass nichts fertig ist, das ist sicher OK. Du sagst aber auch nicht was die Vorgaben für die 3 Teilgruppen sind, das macht mich misstrauisch, schließlich bin ich ein Geschädigter.
    Du hättest ja schreiben können: „die Teilprojekte sind völlig frei, es gibt keine Tabus“. Oder Du hättest schreiben können: „Es ist unantastbar, dass Eucharistie nur im Beisein eines Priesters erlaubt ist, und Frauen wollen wir überhaupt nicht in der Nähe des Altars sehen“. Oder Du hättest etwas anderes schreiben können, was die Vorgaben sind. Dieses Offenlassen macht Deinen Text aber zur Beiläufigkeit.

    Ich formuliere es anders. Konkreter.
    Eine kleine Ortschaft in der ED Wien.
    Ein nicht geschriebenes Protokoll, einer leider nie stattgefundenen Besprechung:
    Generalvikar: Liebe Leute vom PGR, ich weiß, dass Ihr hier als engagierte Christen seid. Ihr habt die Gemeindepastoral bisher in allen Aspekten im Sinne unseres Meisters, Jesus Christus, vertreten und begleitet. Euer bisheriger Pfarrer hat eine neue Funktion übernommen und jetzt gilt es, gemeinsam den Weg für die Zukunft zu gestalten. Leider kann ich Euch keinen kooperativen, verständnisvollen und engagierten Priester zur Verfügung stellen, was ich habe ist ein geweihter Idiot. Immerhin kann er die Messtexte lesen. Das wird für eine Reihe von Pfarrmitgliedern genug sein.
    PGR1: Aber das kann noch nicht im Sinne unseres Meisters sein…
    PGR2: Sei still, es wird für eine Reihe von Pfarrmitgliedern genug sein.
    PGR1: Und die anderen?
    Generalvikar: Ja, darüber haben wir uns auch unsere Gedanken gemacht. Wir möchten mit Ihnen, liebe Pfarrgemeinderätinnen und –räte ein Abkommen schließen. Es geht nicht anders, um die Gemeinde lebendig und offen zu erhalten. Ich möchte Sie bitten, ganz offiziell weitere Verantwortungen zu übernehmen. In einer Art „Vertrag“ sollen die Zuständigkeiten für diese Pfarre für Sie und unseren geweihten Idioten klar geregelt werden. Damit wird entsprechend den Fähigkeiten jedes Einzelnen das Bestmögliche für die Pfarre getan. Könnten Sie sich das vorstellen?
    PGR1: Wenn hier ehrlich gesprochen wird..
    PGR3: Schauen wir doch, was das konkret für uns bedeutet..

    Die Wirklichkeit im Umgang mit Pfarren und Pfarrgemeinderäten schaut leider oft anders aus. Was meinst Du, Niki?
    Liebe Grüße, Martin

  • Thema von martin_r im Forum Sinn- und Schatzkiste

    Papst Benedikt, die Räuberbande und der Widerstand
    Wolfgang Bergmann, 26. September 2011 11:10

    „Nimm das Recht weg - was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande", zitierte Benedikt XVI. den hl. Augustinus, seinen Lieblingskirchenvater, im Deutschen Bundestag. Das klingt ziemlich heutig.

    Die im Vorfeld umstrittene Parlamentsrede hat der Papst recht ordentlich hingekriegt: Er sezierte die Frage nach dem Verhältnis von Recht zu Gerechtigkeit, das Problem wie "zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden?"

    Bei der Tatsache, dass die Herrscher das Recht missbrauchen können, ruft er in Erinnerung, dass schon Origenes im 3. Jahrhundert „den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen" begründete.

    Dann die für einen Papst überraschende Feststellung: Das Christentum habe, so Benedikt, dem Staat "nie eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen ... " Die Väter der alten Kirche hätten sich demnach "auf die Seite der Philosophie gestellt" und nicht einen religiösen Fundamentalismus vertreten.

    In einer ausführlichen Abhandlung mit - für einen Papst unüblich - charmant gesetzten Pointen (inklusive Lachen und Applaus bei den Abgeordneten) geht er dann der Frage nach, ob der derzeit vorherrschende Positivismus allein Gerechtigkeit begründen könne und bringt die Frage nach dem Schöpfergott ins Spiel. Die Rolle des Philosophen steht ihm, so scheint es, am besten.

    Was er bisher nicht bereit ist, mutig weiterzudenken: Seine Analyse der weltlichen Rechtsordnung gilt auch für die kirchliche. Für das päpstliche Regime in Sachen Zölibat und Ausschluss der Frau vom Priesteramt gibt es beispielsweise keine gesonderte Offenbarung. Vernunft und Natur sagen etwas anderes. Bräuchte es zur Sicherung der Humanität in der Kirche nicht manchmal mehr Philosophie (=Liebe zur Weisheit) als Fundamentalismus? Gilt da nicht längst die Widerstandspflicht des Origenes?

    „Wir haben erlebt, dass Macht von Recht getrennt wurde, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und dass der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde - zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte". Dieser Satz, den Papst Benedikt nur Politikern in Erinnerung an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte ins Stammbuch schreiben wollte, beschreibt auch die Kirche.

    Im Schatten päpstlicher Schweigegebote entwickelte sich ein Teil des Klerus zu einer Räuberbande in Sachen Missbrauch, mit Rückendeckung bis in höchste vatikanische Kreise.

    Darum schließt dieser erste Blogeintrag - und solange sich nichts ändert auch die künftigen - mit einem ceterum censeo: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig.

    Autor: Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD.

    2010 erschien sein Romanerstling:" Die kleinere Sünde" (Czernin-Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.

  • Achatius September - Oktober 2011Datum12.09.2011 22:12
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema Achatius September - Oktober 2011

    Liebe Gudelong,
    danke für die schönen Blumen.
    Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn es mehr Rückmeldungen gäbe, auch wenn sicher nicht alle so positiv ausfallen würden wie Deine!

    So sehe ich aber meine Arbeit als Dienst an der Pfarre, im Hintergrund, so wie so viele...

    lg
    Martin R

  • Die folgenden 5 Thesen sind dem Buch "Wird die Kirche zum Grab Gottes" von Hans Salvesberger (edition NEUE WEGE, 2007) entnommen:

    These 53: Um von einer Gemeinde das Priesteramt übertragen zu bekommen, müsste man ein bestimmtes Mindestalter (nicht unter 35 Jahren) haben; das hätte zur Folge, dass man (oder frau) irgendeinen Beruf erlernt und ausgeübt, sich selbst und (vielleicht auch) seine eigene Familie über Jahre hin erhalten hat, finanziell nicht von einer Tätigkeit als Priester abhängig ist, Sozialversicherungsbeiträge eingezahlt hat - also in vielfacher Hinsicht "frei", ein "vir probatus", eine "mulier probata" ist.

    These 54: Ob ein Mensch, dem ein Priesteramt übertragen wird, heiratet oder nicht, bvleibt ihm - wie jedem anderen Staatsbürger auch - selbst überlassen; der Pflichtzölibat ist den Ordensleuten vorbehalten. Damit vermeidet man, dass Menschen, die Probleme im Kontakt mit dem anderen Geschlecht oder mit ihrer Sexualität haben, sich zum Priesteramt hingezogen fühlen, weil sie in diesem Stand aus ihrem Problem eine "Tugend" machen können, indem sie mit Stolz sagen: "Ich lebe zölibatär", statt sagen zu müssen: "Ich tue mir schwer,mit Frauen / Männern Kontakte zu knüpfen".

    These 55: Selbstverständlich müssen auch Ordensgemeinschaften die Unsitte, ja das Verbrechen beenden, Jugendliche in den Orden aufzunehmenund mit Versprechen lebenslang zu binden versuchen.

    These 56: Ob man das Priesteramt hauptamtlich, als "Beruf" mit entsprechendem Einkommen, oder neben einem "bürgerlichen Beruf" auübt, hängt von der Größe der gemeinde ab.

    These 57: Der Bischof ist freigestellt; er hält Kontakt zwischen den einzelnen Gemeinden.

  • Ingrid NattererDatum07.09.2011 16:35
    Thema von martin_r im Forum Spaziergang durch, Ges...

    Achatius 9 + 10 2011

  • Achatius September - Oktober 2011Datum07.09.2011 16:28
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema Achatius September - Oktober 2011

    Inhalt

    Wer sein Gewissen ernst nimmt...
    Pfarrerinitiative, Einladung zum Gespräch Seiten 2 und 3
    Josef Decker, Achatius, Kathrein
    und die Stammtischgäste aus Kottingbrunn Seite 4
    Geduld, 90 Jahre Helene Hucke
    Stefan Adrigan plädiert für Zuhören Seite 5
    Thomasmesse, Pfarrerin
    Zwei pastorale Ansätze Seite 6
    Spaziergang durch Kottingbrunn
    Ingrid Natterer zeigte dem Redakteur den Ort Seite 7
    Kottingbrunner in aller Welt
    Wallfahrer und Lagerteilnehmer berichten Seiten 8 und 9
    PGR, Weltkirche
    Nächstes Jahr ist Wahl. Was heißt hier katholisch? Seite 10
    Aus der Pfarre, Vinzi, LIMA
    Wir trauern um Hr. Feigl, Info, Fest, Training Seite 11
    Schmunzeln, Rätseln, Wirtschaftstreibende
    Und dazu Seniorentanz Seite 12
    Mitverantwortung
    Michael Handschuh kann nicht mehr schweigen Seite 13
    Kirchenchor, Unsere MINIS
    Sing mit, begeistert wie Mathias beim Läuten… Seite 14
    Freud und Leid, Terminvorschau
    Das war, das kommt, Gebetskreis, 1. u. 2. Nov Seite 15
    Erntedank, Resi Birbamer
    Bitte vormerken Seite 16

  • Achatius November - DezemberDatum04.09.2011 20:52
    Thema von martin_r im Forum Achatius, das Pfarrbla...

    Redaktionsschluss 28. Oktober
    Erscheinungstermin 10. November

  • Pfarrerinitiative 19. Juni 2011Datum09.07.2011 17:35
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema Pfarrerinitiative 19. Juni 2011

    Und Ihre Antwort, Ihre Meinung, liebe Leserin, lieber Leser?
    Dieses Forum verzeichnet im Schnitt 100 Zugriffe pro Tag. Nur Wenige nehmen aktiv teil.
    Es sollte ein Forum von Vielen sein, darauf hoffe ich...

  • Pfarrerinitiative 19. Juni 2011Datum09.07.2011 17:31
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema Pfarrerinitiative 19. Juni 2011

    Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
    Liebe Brüder und Schwestern!
    Und diesmal besonders: Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

    Der Vorstand der "Pfarrer-Initiative" hat am Dreifaltigkeitssonntag (19. Juni) einen "Aufruf zum Ungehorsam" veröffentlicht (www.pfarrer-initiative.at). Ich wollte nicht sofort reagieren, um nicht im Zorn und in der Trauer zu antworten, die dieser Aufruf in mir ausgelöst hat. Bei der Priesterweihe am 24. Juni habe ich in meiner Predigt indirekt darauf Bezug genommen. Mich erschüttert der offene Aufruf zum Ungehorsam. Wie würden in unserem Land die Familien aussehen, wenn Ungehorsam zur Tugend erhoben würde? Viele Berufstätige fragen sich, wie es möglich ist, in der Kirche den Ungehorsam zu propagieren und zu praktizieren, wo sie wissen, dass sie ihren Arbeitsplatz längst verloren hätten, wenn sie dort zum Ungehorsam aufriefen.

    Wir Priester haben alle bei unserer Weihe aus freien Stücken, von niemandem dazu gezwungen, dem Bischof "Ehrfurcht und Gehorsam" in die Hand versprochen und vor der ganzen Gemeinde laut und deutlich gesagt: "Ja, ich verspreche es". Steht ihr dazu? Kann ich, können die Gemeinden sich darauf verlassen? Als Bischof habe ich auch dem Papst treue Gemeinschaft und Gehorsam versprochen. Ich will dazu stehen, auch wenn es Momente gegeben hat, wo das nicht leicht war.

    Der christliche Gehorsam ist eine Schule der Freiheit. Es geht um die konkrete Übersetzung ins Leben von dem, was wir in jedem Vaterunser beten, wenn wir den Vater bitten, sein Wille möge geschehen, im Himmel und auf Erden. Diese Bitte erhält ihren Sinn und ihre Kraft durch die innere Bereitschaft des Beters, den Willen Gottes auch dort anzunehmen, wo er von den eigenen Vorstellungen abweicht. Diese Bereitschaft konkretisiert sich auch im kirchlichen Gehorsam dem Papst und Bischof gegenüber. Sie kann manchmal Schmerzliches abverlangen.

    Um den Willen Gottes geht es auch im "Masterplan" für unsere Diözese, im Prozess Apostelgeschichte 2010 und im diözesanen Entwicklungsplan. Was ist Gottes Willen für uns, die Erzdiözese heute, in der Situation großen Wandels? In gemeinsamem Gebet und Eucharistiefeier, im Betrachten der Schrift, im Hinschauen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft, bemühen wir uns, den Willen Gottes zu erkennen. Der "Masterplan" soll ja der Plan des Meisters, des Herrn sein.

    Genau hier setzt nun der "Aufruf zum Ungehorsam" an – aber quer zum "Masterplan". Da die von den Initiatoren der "Pfarrer-Initiative" geforderten Reformen noch immer nicht erfolgt sind, und da die Bischöfe, so meinen sie, untätig sind, sehen sie sich gezwungen, "dem Gewissen zu folgen und selbstständig tätig zu werden".

    Wenn es zur Gewissensfrage wird, dem Papst und dem Bischof gegenüber ungehorsam zu werden, dann ist eine neue Stufe erreicht, die zu einer klaren Entscheidung drängt. Denn dem Gewissen ist immer Folge zu leisten, wenn es ein geformtes und sich selbst kritisch prüfendes Gewissen ist. Der selige Franz Jägerstätter hat in einsamer Gewissensentscheidung den Kriegsdienst in Hitlers Armee verweigert, um den Preis seines Lebens. Der selige John Henry Newman kam in einem jahrelangen intensiven Ringen zur Gewissheit seines Gewissens, dass die anglikanische Kirche von der Wahrheit abgewichen ist und dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche weiterlebt. So verließ er seine Kirche und wurde katholisch. Wer also im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass "Rom" auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen. Ich glaube und hoffe aber, dass dieser äußerste Fall hier nicht eintritt.

    Ich muss nicht jeder kirchlichen Entscheidung, vor allem im disziplinären Bereich, meine Herzenszustimmung geben, und ich darf mir auch ehrlich andere Entscheidungen der Kirchenleitung wünschen. Wenn aber der Papst immer wieder – etwa in der Ämterfrage - klare Vorgaben nennt und die geltende Lehre in Erinnerung ruft, dann stellt die Aufforderung zum Ungehorsam doch die kirchliche Gemeinschaft in Frage. Letzen Endes muss sich jeder Priester, müssen wir uns alle entscheiden, ob wir den Weg mit dem Papst, dem Bischof und der Weltkirche gehen wollen oder nicht. Abstriche von eigenen Vorstellungen zu machen, ist immer schwer. Wer aber das Prinzip des Gehorsams aufgibt, löst die Einheit auf.

    Zu einem gemeinsamen Weg habe ich in meinem Hirtenbrief eingeladen. Ich habe einen sehr konkreten Weg vorgeschlagen: Dass wir die Mission an die erste Stelle setzen, und alles an ihr ausrichten, allem voran das Bemühen, selber neu und besser Jünger und Jüngerinnen Jesu zu werden. Daran wird "die Welt" erkennen, ob Nachfolge Jesu sich lohnt, ob Kirche Jesu Christi zu sein, wirklich etwas Heilsames bringt. In dieser Perspektive stehen auch alle Bemühungen um Strukturreformen.

    Den "Aufruf zum Ungehorsam" halte ich für keinen hilfreichen Schritt. Ich werde zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein Gespräch mit den Vertretern der "Pfarrer-Initiative" führen. Ich werde sie besonders auch auf einige Ungereimtheiten in ihrem "Ungehorsams-Programm" hinweisen, etwa die Formulierung "priesterlose Eucharistiefeier" oder die abschätzigen Bemerkungen über Priesteraushilfen als "liturgische Gastspielreisen". Nur ein von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Stil hilft uns weiter, wie wir ihn beglückend in den drei Diözesanversammlungen erleben durften.

    Ich bin nun bald 20 Jahre Bischof. Der Bischof hat den Dienst der Einheit; für die eigene Diözese und mit dem Papst und der Weltkirche. Ich mache diesen Dienst mit Freude. Ich erfahre viel Schönes, erlebe aber auch mache schmerzliche Verwundung der Einheit. Zu diesen Wunden gehört der "Aufruf zum Ungehorsam". Ich rufe auf zur Einheit, um die Jesus den Vater gebeten (vgl. Joh 17,21) und für die er sein Leben hingegeben hat. Er helfe mir in meinem Dienst, das Band der Einheit in Liebe und Wahrheit zu erhalten.

    Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen allen

    Ihr

    + Christoph Kardinal Schönborn

  • Pfarrerinitiative 19. Juni 2011Datum09.07.2011 17:30
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema Pfarrerinitiative 19. Juni 2011

    Gottes Kreativität vertrauen und das Mögliche tun
    Zum Aufruf der Pfarrer-Initiative - ein Beitrag von Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel.



    Mitten in den beginnenden diözesanen Entwicklungsprozess in der Erzdiözese Wien kommt der Aufruf des Vorstands der Pfarrer-Initiative. Als österreichweite Aktion ist er nicht als direkte Antwort auf unseren Wiener Prozess zu verstehen. Zugleich spricht er vieles an, was uns in der Erzdiözese ebenso beschäftigt.

    Der Weg von Apostelgeschichte 2010 und der jüngste Hirtenbrief unseres Erzbischofs haben weit über die Erzdiözese Wien hinaus Aufmerksamkeit erregt und unter vielen Menschen Neugier und Freude im Blick auf die Zukunft aufkommen lassen. Gewiss ist das auch mit Befürchtungen gemischt oder mit Ungeduld, mit Unsicherheit und vielen Fragezeichen. Einig sind wir uns vielleicht zumindest darin: Wir schauen offener und ehrlicher als zuvor auf unsere tatsächliche Situation als Kirche in einer säkularen Gesellschaft; wir müssen theologische und pastorale Positionen auf den Prüfstand der großen Veränderungen stellen, in denen wir stehen; und wir haben viel vor.

    Ich gehöre zu jenen VerantwortungsträgerInnen in der Erzdiözese, denen speziell aufgetragen ist, den Entwicklungsprozess voranzutreiben. Voraussichtlich werden wir uns in diesem Prozess immer wieder an den Grenzen des Möglichen reiben. Meine erste spontane Reaktion auf den Aufruf der Pfarrer-Initiative und seine Diskussion in den Medien war daher die Sorge, dass das unseren Bemühungen in der EDW in den Rücken fällt. Ich habe Sorge, dass unser Handlungsspielraum für Veränderungen dadurch enger wird. Gezielte öffentliche Grenzverletzungen rufen immer auch die aggressiven Grenzschützer auf den Plan. Diejenigen, die versuchen, das auszuloten und auszuweiten, was gemeinsam möglich ist, finden dann zwischen den Fronten womöglich weniger Raum für konstruktive nächste Schritte. Zugleich habe ich am Grenzgängertum immer gemocht, dass das Drängen, das offene Wort, auch die Aggression bis hinein in die naturgemäß vorsichtigeren Bewegungen des Zentrums Dynamik und Energie bringen können. Ich hoffe sehr, dass das nun auch gelingt. Wichtig dafür scheint mir, dass jene, die jetzt schon wissen, was sie tun werden, sich dennoch ein echtes Interesse für diejenigen bewahren, die andere Optionen für richtig halten.

    Mir scheint, der diözesane Prozess teilt mit dem Aufruf der Pfarrer-Initiative den Eindruck, dass wir vor wirklich großen Herausforderungen stehen. Als große Erzdiözese, die an das Kirchenrecht gebunden ist, müssen wir bei der Suche nach neuen Wegen achtsamer vorgehen, als es für einen bewusst provozierenden Aufruf nötig ist. Doch die Themenfelder, in denen wir um Lösungen ringen, sind großteils dieselben:

    Beten ist immer erlaubt und notwendig. Dabei ist Gebet einerseits ein Mich-Einüben in die Bereitschaft, Gottes Wege mitzugehen – selbst dann, wenn sie (noch?) nicht dorthin führen, wo ich gern hinwollte. Andererseits dürfen wir Gott lästig werden wie die Witwe, die um ihr Recht kämpft. Wenn wir vor allem um die je tiefere Einsicht in Gottes Willen bitten, vermeiden wir die Versuchung, „gegeneinander“ zu beten. Der Entwicklungsprozess der Diözese wird nur gelingen, wenn er von Gebet getragen ist.
    Unser Weg lebt aus der Eucharistie, der dankbaren Verbindung mit dem Geheimnis Christi und untereinander am Tisch des Herrn. Aus dieser Gemeinschaft darf niemand leichtfertig ausgeschlossen werden. Dass auch solchen, für die nach geltendem Kirchenrecht der Sakramentenempfang nicht vorgesehen ist, nach einem aufmerksamen seelsorglichen Prozess in theologischer Verantwortung und im Vertrauen auf Gottes größere Barmherzigkeit die Kommunion gereicht wird, ist weithin pastorale Praxis. Sinnvollerweise ist es nicht die Regel. Wer die Ausnahme zur Regel stilisiert, erspart sich und anderen zu schnell die notwendige, oft heilsame Konfrontation mit der Realität.
    Fragen der Gemeindeorganisation, inklusive Leitungs- und Sonntagsfrage, sind Kernfragen der theologischen wie strukturellen Überlegungen, die uns in den nächsten Monaten und Jahren beschäftigen werden. Die berechtigte Sehnsucht der Menschen nach einer guten heilsamen Seelsorge wird dabei der Fokus sein müssen.
    Eine Pfarre wird immer von einem Priester zu leiten sein; Gemeinden und Gemeinschaften von Christen kann jede/r Getaufte und Gefirmte leiten. Hier sehe ich im Hirtenbrief vielversprechende Linien vorgezeichnet. Aufgabe von Hauptamtlichen wird wohl mehr die Begleitung von ehrenamtlich Leitenden vor Ort sein. Es wird Mut brauchen, manches Neue auszuprobieren, manche alten Vorstellungen loszulassen.
    Sehr wahrscheinlich wird es in Zukunft mehr Kirchen geben, in denen an einem Sonntag keine Eucharistiefeier stattfinden kann. Klarerweise ist es gut, wenn in diesen Kirchen gleichwohl auch am Sonntag Menschen zusammenkommen, um miteinander zu beten, das Wort Gottes zu hören und zu bedenken und sich dankbar in die Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus zu stellen. Ob das Wort-Gottes-Feiern mit eucharistischer Anbetung oder mit Kommunionspendung sein können, ob dafür die Kommunion aus einer zentralen Eucharistiefeier gebracht wird; und welche Rolle Eucharistiefeiern an anderen Wochentagen bekommen können – das und vieles mehr sind hier spannende Fragen, für die theologisch wie praktisch womöglich verschiedene Lösungen denkbar sind. Ziel bleibt, ganz praktisch zu ermöglichen, dass Gemeinden den Sonntag heiligen und aus der Eucharistie leben.
    Jede Katholikin und jeder Katholik ist heute viel stärker zum Zeugnis für den Glauben herausgefordert als zu Zeiten einer machtvollen klerikalen Kirche. Viele Laien sind ganz offiziell beauftragt, in Wort-Gottes-Feiern, bei Begräbnissen, Taufen, Andachten etc. zu predigen oder das Wort Gottes für SchülerInnen auszulegen etc. Beauftragungen könnten in Zukunft eventuell auch das Glaubenszeugnis im Rahmen einer Eucharistiefeier umfassen. Lediglich die Homilie in einer solchen Feier ist einem geweihten Amtsträger vorbehalten um der spürbaren Einheit zwischen Wort und Sakrament willen.
    Der Wandel der Kirchengestalt, der sich hierzulande abzeichnet, scheint mir sehr tief zu gehen und notwendig zu sein – selbst wenn wir durch neue Priester die traditionellen Pfarrstrukturen noch eine Weile aufrecht erhalten könnten. Ich sehe die Chance dieses historischen Moments, in dem die oberste Kirchenleitung keine Möglichkeit zur Veränderung des zölibatären männlichen Priestertums sieht, darin, dass wir wirklich neu entdecken, was unsere gemeinsame Existenz als priesterliches, prophetisches und königliches Volk bedeutet, und von dort her das kirchliche Leben ohne Klerikalismus entwerfen. Das wäre eine wirklich epochale Weiterentwicklung unserer Kirche. Sie könnte dort beginnen, wo wir verlernen, einen Vorgang erst dann für kirchlich wertvoll zu halten, wenn ein Priester (der Pfarrer, der Bischof …) dabei war; wo wir neu schätzen lernen und erfahren, welche hohe Würde und volle Freude es ist, Christus unmittelbar anzugehören; wo wir erkennen, wie groß die Aufgabe ist, die Welt zu heiligen, d.h. sie ausdrücklich mit Gott zu verbinden … Erst die tiefe Wiedergewinnung der gemeinsamen Berufung zum Christsein als priesterlich-prophetisch-königliche Gemeinschaft wird uns neu begreiflich machen, welcher notwendige Segen es ist, geweihte Presbyter unter uns zu haben. Erst wenn wir die gemeinsame Basis wirklich stark im Bewusstsein haben, werden die Kompetenzen einiger keine bedrohliche Konkurrenz mehr darstellen. Notwendig ist dazu vor allem und von allen auch ein viel klarerer und demütigerer Umgang mit Macht.
    Auch ich wünsche mir, dass in Sachen der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt der Heilige Geist der Kirche noch einmal etwas Neues zeigt und neue Wege eröffnet. Wenn es hier einmal Veränderungen gibt, dann wohl nicht aus praktischen oder strategischen Überlegungen, sondern aus tieferer theologischer und geistlicher Einsicht.

    Einen Punkt, der im Aufruf eher indirekt steckt, möchte ich stark betonen: den Blick auf die Sendung der Kirche in die Welt hinein. Wir sind Kirche nicht für uns, sondern für die anderen. Wenn es in vielen der angesprochenen Fragen (auch) um die Identität des Katholischen geht, wünsche ich mir sehr, dass allem anderen voran die Hinwendung zu den Bedürftigen und der Einsatz für eine gerechtere Welt zu den Markenzeichen werden, an denen Kirche für die Gesellschaft erkennbar ist.
    Mitten in den Beginn des diözesanen Entwicklungsprozesses kommt also der Aufruf und das, was er auslöst. Wieder einmal frage ich mich: Was hat mich eigentlich dazu gebracht, mich gelassener und mit mehr Einwilligung auf den langsameren Rhythmus der Gesamtkirche einzustellen? Habe ich mein Drängen aufgegeben? In gewisser Weise bin ich vom kleinen, wendigen Aufklärungsboot, das sich nach neuen Gewässern umsieht und versucht, Fahrstraßen für die Flotte zu finden, auf eines der großen behäbigen Kommandoschiffe umgestiegen. Seine Trägheit ist manchmal ziemlich nervig. Es zu schnell wenden zu wollen, sehe ich ein, brächte es zum Kentern. Dass die einen den Kurs ändern wollen, in dem sie sich auf eine Seite lehnen, fordert andere dazu heraus, sich auf der anderen Seite hinauszulehnen, weil sie Angst vor dem Umkippen haben. Die Schuld, dass es schwerer wird, die Richtung zu finden, wird von allen gerne nur dem Kapitän oder der Admiralität in die Schuhe geschoben. Alles das finde ich ehrlich gesagt zuweilen wenig hilfreich – so sehr vieles an Kritik stimmt und berechtigt ist.

    Was ich mir wünsche? Dass möglichst alle Kräfte dieser Diözese zusammenhelfen, sodass wir den Weg gemeinsam gehen können. Dass wir noch einmal tiefer nachdenken. Dass wir uns mehr Offenheit im Kopf und im Herzen gönnen. Dass wir selbstkritischer schauen, wo wir mehr aus der ängstlichen Sorge um uns selbst handeln und wo mehr aus der Freiheit der Christenmenschen, zu der auch das Wohlwollen für die anderen gehört. Dass wir uns noch radikaler in das Vertrauen auf Christus einüben – wegen und trotz der Kirche.

    Anstehende Veränderungen lösen Verleugnung und Widerstand aus, bevor sie kreativ und mit Lust angegangen werden können. Die Phase der Verdrängung, so mein Eindruck, lassen wir in der Erzdiözese Wien nach und nach hinter uns. Mit Widerständen aus allen Richtungen ringen wir. Nach der lustvollen Kreativität sehne ich mich noch, doch immer öfter – und zwar vornehmlich in der konkreten Praxis vor Ort – blitzt sie schon kräftig auf. Ich hoffe auf sie auch als verlässliche Begleiterin in dem Entwicklungsprozess, den wir begonnen haben. Klassische Theologie nennt sie den Heiligen Geist.



    (Veronika Prüller-Jagenteufel)

  • Pfarrerinitiative 19. Juni 2011Datum03.07.2011 22:22
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema Pfarrerinitiative 19. Juni 2011

    Danke, Gudelong.

    Hier das Interview mit Helmut Schüller im Standard:

    Die "Pfarrer-Initiative" veröffentlichte vor wenigen Tagen einen "Aufruf zum Ungehorsam". Darin kündigte sie wegen der "römischen Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform" unter anderem an, sich öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen, das Predigtverbot von Laien zu missachten und sich solidarisch mit jenen Kollegen zu zeigen, "die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten". Mit Helmut Schüller, einem der Proponenten der Pfarrerinitiative, sprach Sebastian Pumberger über den provokanten Aufruf.

    derStandard.at: Herr Schüller, Sie haben mit ihren Mitstreitern von der "Pfarrerinitative" vor wenigen Tagen den "Aufruf zum Ungehorsam" veröffentlicht. Warum?

    Schüller: Wir arbeiten als Pfarrerinitiative seit fünf Jahren. In dieser Zeit hat sich nichts bewegt. Wir haben uns gesagt, wir müssen deutlicher werden und selbst Schritte in Richtung Kirchenreform setzen.

    derStandard.at: Was kritisieren Sie an der derzeitigen Kirche?

    Schüller: Wir kritisieren die Zusammenlegung von Pfarren. Man schafft dadurch Großpfarren, wo Seelsorge und Nähe zum Menschen nicht mehr möglich sein wird. Die Verknappung der Leitung der Gemeinden wird nicht ernstgenommen und der Zugang zum Priesteramt nicht erweitert, zum Beispiel in Richtung verheiratete Männer oder Frauen. Es herrscht hier keine Mitbestimmung. In der Aufwertung des Laiens geht es eher rückwärts. In dem Aufruf haben wir Dinge genannt, die wir unmittelbar tun und mit unseren Gemeinden tun können.

    derStandard.at: Wie ist die Reaktion der Amtskirche auf diesen Aufruf?

    Schüller: Offiziell liegt uns nur eine Stellungnahme von Bischof Kapellari aus Graz vor, der mit Kardinal Schönborn abgesprochen sein soll. Das ist das einzige, was wir aus der Kirchenleitung gehört haben. Sonst gibt es überwiegend positive Kritik aus dem Kreise der Pfarrer und der Bevölkerung. Natürlich gibt es auch negative Kritik.

    derStandard.at: Kann die Amtskirche auch kirchenrechtlich gegen Sie vorgehen?

    Schüller: Natürlich muss man auch damit rechnen. Ich möchte nicht vorformulieren was die Kirchenoberen tun könnten. Das kommt darauf an, wie man unser Handeln einschätzt. Wir selbst sagen, dass sind verantwortbare Schritte, die wohl im Gegensatz zu herrschenden Regelungen stehen. Diese werden aber vermutlich, wenn es einmal zu Reformen kommt, als selbstverständlich betrachtet werden. Wenn man die Kirchengeschichte anschaut, dann war es häufig so, dass etwas angefangen hat, das zuerst verpönt und Jahre und Jahrzehnte später allgemeine Lehre war.

    derStandard.at: Die Aufwertung der Laien geht eher zurück, sagen Sie. Warum wird das, was im 2. Vatikanischen Konzil begonnen hat, nicht weiter forciert?

    Schüller: Es gibt unter den Klerikern bis hinauf zum Papst die Angst, dass man an Macht und Einfluss verlieren könnte. Vielleicht ist es auch die Angst vor der eigenen Courage. Das 2. Vatikanische Konzil hat auch Öffnung bedeutet und das bedeutet Unsicherheit vor neuen Wegen. Die verspätete Auseinandersetzung mit der Moderne bringt vieles ins Wanken, das jahrhundertelang so behauptet wurde. Da gibt es nun auch Strömungen, das Ganze wieder einzudämmen.

    In der Entscheidungsstruktur der Kirche können einige wenige vielen ihre Vorstellungen aufdrücken. Die Einstellung eines Mannes, des Papstes und seiner Umgebung, bestimmt die Entwicklung. Das ist nicht nur zu viel Macht, sondern auch zu viel Verantwortung für einen Einzelnen. Die Bischöfe, die sich nun gebunden fühlen, die nur das tun, was der Papst ihnen ermöglicht, sind in diesem System eingebaut. Deswegen haben wir es mit einem starken Bremsvorgang zu tun. Bei den Laien hat man begonnen, sehr zaghaft positive Schritte zu setzen, die scheinen manchen zu weit zu führen.

    derStandard.at: Einige Bischofsernennungen waren in letzte Zeit nicht ganz unumstritten. Braucht es ein demokratischeres System der Mitbestimmung der Laien?

    Schüller: Ja, selbstverständlich. Es ist völlig unhaltbar, dass die, die es am meisten ausbaden müssen, nämlich die Gemeinden und die Pfarrer, bei der Frage, wer Bischof wird, draußen sind. Man verzichtet auf eine Menge Verstand, denn gerade die Getauften und Gefirmten bringen in die Kirche sehr viel Weltverstand mit. Es ist nicht nur so, dass es zu wenig Einfluss gibt, bei denjenigen, die die Folgen dann tragen, sondern es ist auch völlig intransparent. Das ist völlig inakzeptabel.

    Die Ordensgemeinschaften wählen seit Jahrhunderten ihre Äbte und niemand würde behaupten, dass sie den Glauben verwässert haben. Sie glauben immer noch an Gott und die Auferstehung Christi. Und trotzdem muss alle paar Jahre ein Abt neu gewählt werden. Dieser muss sich verantworten und muss Rechenschaft ablegen. Das ist ein Element, das in unserer Kirche völlig fehlt. Weder der Papst noch ein Bischof legen Rechenschaft darüber ab, was sie entscheiden. Diese Dinge entsprechen jedoch nur den zivilisatorischen Fortschritten, die wir mittlerweile haben. Teilhabe an Entscheidungen ist eine Grundsache des modernen Gemeinwesen, warum sollte das nicht in der Kirche auch so sein?

    derStandard.at: Sehen Sie den Grund für die aktuelle Krise auch im Mangel an Reformen?

    Schüller: Es ist sicher ein Mangel, wenn sich die Kirche den Belastungen der modernen Zeit nicht stellt. Natürlich ist die offene Verweigerung des Eingehens auf die moderne Lebenseinstellung eine schwere Beeinträchtigung im Handeln der Kirche.

    derStandard.at: Üben Sie in Probstdorf die Dinge aus, die Sie in dem Aufruf proklamiert haben?

    Schüller: Ja, das ist alles schon Realität. Ich kann von guten Erfahrungen berichten. Es wird nichts zerstört und aufs Spiel genommen. Ich denke dieser Weg wird in der Gemeinde von der ganz klaren Mehrheit mitgetragen.

    derStandard.at: Glauben Sie, kann eine Veränderung beim Zölibat in den nächsten Jahrzehnten umgesetzt werden?

    Schüller: Ich würde mich nicht auf Zeitspekulationen einlassen, manchmal können Dinge sehr schnell gehen. Unmut artikuliert sich heute sehr schnell, dadurch können neue Dinge entstehen. In dem Augenblick, in dem immer deutlicher wird, was die der Kirche verbundenen Menschen wollen, könnte es noch viel schneller gehen. Noch dazu, wenn sich Bischöfe, die in eine ähnliche Richtung denken, vernetzen würden. Die momentane Situation ist der unendlichen Geduld vieler geschuldet. Es wird einfach hingenommen. In dem Augenblick in dem es klarere Worte gibt, und die sich gegenseitig verstärken, können Dinge sehr schnell in Bewegung kommen. Auch beim Zölibat.

    derStandard.at: Gibt es auch nicht offizielle Gespräche wo Bischöfe weiter gehen?

    Schüller: Wir haben mit den Bischöfen, die mit uns sprechen wollten, Gespräche geführt. Sie haben Verständnis gezeigt für unsere Fragen. Manchmal habe ich mir gedacht, sie denken mehr als sie positiv dazu sagen wollen. Die Bischöfe sammeln diese Frage und sagen uns nicht, was sie selbst davon halten. Da haben wir an der Basis noch keine Klarheit. Die Bischöfe haben sich noch nicht deklariert. Sehr häufig bekommen wir die Antwort: "Das will Rom nicht." Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir auch einmal wissen, was die Bischöfe nicht wollen.

    derStandard.at: Nachdem Sie den Aufruf veröffentlicht haben, welchen Schritte planen Sie jetzt?

    Schüller: Genaugenommen fordern wir nichts, wir kündigen an, was wir selber tun. Das ist etwas Neues. Wir schicken nicht einen Brief ab und warten auf Antworten. Wir haben begonnen, bestimmte Schritte zu setzen. Wir hoffen, dass viele sich auf ähnliche Weise äußern und dies auch so tun. Wir hoffen auch auf ein Aufgreifen dieser Schritte von der Kirchenleitung. Wir werden sehen, was sich als Reaktion auf den Aufruf tut. Es kommt jetzt sehr darauf an, dass alle die diese Schritte gutheißen, das deutlich nach außen kundtun. Dann wird mehr weitergehen. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 3.7.2011)

    HELMUT SCHÜLLER, war Generalvikar der Erzdiozöse in Wien und ist heute Pfarrer in Probstdorf.

  • Evangelienkommentar und FolgenDatum30.06.2011 08:05
    Foren-Beitrag von martin_r im Thema Evangelienkommentar und Folgen

    wegen dieses Kommentares zum Evangelium des 14. Sonntags im Jahreskreis (www.rupertusblatt.at) wird Anna Lettner zu ihrem Bischof (Kothgasser) zitiert. Diese und auch die danach zu erwartenden Sanktionen zeigen wie real der Hintergrund zu These 38 (s. unten, Seelsorgeteam) ist.

  • Evangelienkommentar und FolgenDatum29.06.2011 23:04
    Thema von martin_r im Forum Sinn- und Schatzkiste

    Der Kommentar zum Sonntag
    Mut zur Botschaft Jesu heute


    Anna Lettner ist
    Religions­lehrerin in
    St. Georgen bei Salzburg.


    Das Evangelium von diesem Sonntag ist ein Teil der Aussendungsrede Jesu, das leichter in Zusammenhang mit den vorhergehenden Worten Jesu zu verstehen ist. Jesus weiß genau, was seinen Jüngern bevorsteht: sie werden abgelehnt und verfolgt werden. Mehrfach ruft er zu furchtlosem und offenem Bekennen auf. Hier geht es um die Bedingungen und die Konsequenzen der Nachfolge.
    Was kann das für uns heute bedeuten? Ein Beispiel aus meiner Gegend hält die Tragweite dieses Auftrages klar vor Augen: Franz Jägerstätter aus St. Radegund im benachbarten Ober­österreich stand genau vor dieser Entscheidung, für seine Familie am Leben zu bleiben oder gegen seine religiöse Überzeugung für Hitler in den Krieg zu ziehen. Er hat seine Familie über alles geliebt und trotzdem ist er am Ende keine Kompromisse eingegangen. Lange lebte er im Zwiespalt zwischen dem Gehorsam gegenüber seinem Vaterland und seiner religiösen Überzeugung, der er letztendlich treu blieb. Sein bekanntester Ausspruch war: „ …besser die Hände als der Wille gefesselt.“ Im gleichnamigen Buch zitiert Erna Putz den Brief am Tage vor seinem Tode:

    „Ich wollte, ich könnte euch all dieses Leid, das ihr jetzt um meinetwillen zu ertragen habt, ersparen. Aber ihr wisst das, was Christus gesagt hat: Wer Vater, Mutter, Gattin und Kinder mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“

    Am 9. August 1943 wurde er aus Konsequenz zu dieser Haltung hingerichtet. Damals wie heute hat es oft massive Konsequenzen, dem Auftrag Jesu zu folgen. Wie oft getrauen wir uns aus Angst nicht, diese Botschaft Jesu voll und ganz zu leben? Auch die Kirche ist davon nicht ausgenommen. Wir verharren in den festgefahrenen Strukturen aus Angst vor Veränderung und finden nicht den Mut, Jesu Auftrag in unserer konkreten Zeit umzusetzen. Ich wage es, diese Botschaft des Evangeliums und das Vorbild Jägerstätters auf die heutige Situation der Kirche weiterzudenken: Wer die Gesetze der Kirche mehr liebt als den Auftrag Jesu, ist seiner nicht würdig. Viele persönliche Verletzungen passieren leider auch in der Kirche, weil uns das Gesetz wichtiger ist als der Mensch (Rolle der Frau, Wiederverheiratete-Geschiedene, Zölibat, …)
    Wagen wir es, für die Botschaft Jesu einzutreten!

  • Pfarrerinitiative 19. Juni 2011Datum28.06.2011 19:18
    Thema von martin_r im Forum Termine - Veranstaltun...

    siehe www.pfarrerinitiative.at

    Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen:

    1 WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.


    2 WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.


    3 WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.


    4 WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.


    5 WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.


    6 WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.


    7 WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.



    Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder. "Und Schwestern" - sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen. Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.

    Dreifaltigkeitssonntag, 19. Juni 2011

  • These 38: Die hierarchischen Vertreter der katholischen Kirche haben ihre Autorität verspielt. Moralisch schon lange, als Arbeitgeber können sie noch scheinheilig agieren und Gehorsam fordern weil hier Menschen existenziell von ihnen abhängig sind. Deshalb spielt Geld eine enorm wichtige Rolle in einem Erneuerungsprozess. Die Bezahlung der Seelsorger und Religionslehrer, Modus und Widmung des Kirchenbeitrages muss daher grundsätzlich neu geregelt werden.

  • Foto 2cDatum27.06.2011 10:12
    Thema von martin_r im Forum Erstkommunion

    Aus Speicherplatzgründen in Graustufen

  • Foto 2bDatum27.06.2011 10:11
    Thema von martin_r im Forum Erstkommunion

    Aus Speicherplatzgründen in Graustufen

  • Foto 2aDatum27.06.2011 10:10
    Thema von martin_r im Forum Erstkommunion

    Aus Speichergründen in Graustufen..

  • Jetzt hab ich erst im Pfarrblatt geschrieben, dass erst 28 Thesen vorhanden sind, und schon schreibst Du, lieber Anselm, 9 Thesen dazu... Aber gut, es fehlen immer noch 58 Thesen. Leider, fürchte ich, werden wir sie zusammenbekommen...

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